„Auswirkungen einer Bewirtschaftungsaufgabe in Eichen-Buchen-Mischbeständen im Spessart auf die Eichenanteile und die Biodiversität“

Wissenschaftliche Expertise

zum Thema
„Auswirkungen einer Bewirtschaftungsaufgabe in Eichen-Buchen-Mischbeständen im Spessart auf die Eichenanteile und die Biodiversität“

im Auftrag des
Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

erstellt durch

Prof. Dr. Anton Fischer
Geobotanik, Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TUM
und
Prof. Dr. Dr. Reinhard Mosandl

Waldbau, Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TUM

Kurzfassung
Aufgabenstellung der Expertise war es, die Auswirkungen einer Ausweisung eines Nationalparks im Spessart auf die Biodiversität der ggf. unter Schutz zu stellenden Gebiete darzustellen.

Für die Einstufung als „Nationalpark“ (nach IUCN Kat. II) ist es zwingend erforderlich, dass kurzfristig auf mindestens 75% der Fläche freie Ökosystementwicklung zugelassen wird, mittelfristig auf 100%. Für die vorhandenen Waldbestände bedeutet das: sie werden sich auf den Weg hin zu derjenigen Vegetation machen, die unter diesen Klimabedingungen ohne Eingriff des Menschen am konkurrenzfähigsten ist. Das ist im Spessart ein Buchenwald-Ökosystem. Die Buche als Schattbaumart kann sich zwanglos unter Buche verjüngen, und das „heranwachsende“ Totholz der Buche wird einer großen Zahl an (Buchen-)Totholzarten (besonders Insekten, Pilze) Lebensraum bieten. Deutschland liegt im Zentrum der Buchenwälder Mitteleuropas und deshalb ist das Instrument „Nationalpark“ im Spessart zielführend angewendet, wenn es darum geht, ein für Mitteleuropa repräsentatives Buchenwaldökosystem einer freien Entwicklung zu überlassen.

Der Spessart ist aber auch wegen seiner über Jahrhunderte betriebenen Förderung der Eiche berühmt. Ohne diese Förderung hat die Eiche in Konkurrenz mit der Buche keine Überlebenschance; denn als Lichtbaumart kann sie sich nicht unter Buche verjüngen und ist der Konkurrenz der Buche ober- wie unterirdisch stets unterlegen. Das bedeutet: die heute vorhandenen Eichen werden nach Zulassen einer vom Menschen nicht gelenkten Ökosystementwicklung verschwinden. Es gibt zahlreiche Arten (Insekten, Pilze), die speziell an Eiche (und Eichentotholz) gebunden sind. Sie werden nach Ausweisung eines Nationalparks zunächst zunehmen; denn die vielen vorhandenen Eichen produzieren, wenn nicht länger genutzt und gepflegt, sofort und zunehmend Totholz – Eichentotholz, die Grundlage dieses speziellen Segments der Biodiversität. Eichen werden aber unter dem dichten Kronendach der Buche nicht mehr nachwachsen können; deshalb wird mittelfristig der Nachschub an Eichentotholz abnehmen und schließlich nahezu völlig versiegen. Die an Eiche und Eichentotholz gebundene Biodiversität wird dann (weitgehend) verschwinden. In diesem Fall ist das Schutzinstrument „Nationalpark“ nicht zielführend. Wenn es darum geht, die an Eiche gebundene Biodiversität langfristig zu erhalten, dann wäre z.B. das Instrument „Biosphärenreservat“ zielführend, das ein Management auf ein bestimmtes Schutzziel hin erlaubt bzw. sogar erfordert.

Download