Vergleich von Trockenwaldverlusten durch Landnutzungsänderungen oder die Klimaerwärmung

Ecuador: Rodungen zerstören mehr Wald als der Klimawandel

Ein Großteil der Trockenwälder Ecuadors liegt im Südwesten des Landes, in der Region Tumbes-Chocó-Magdalena
(Foto: P. Hildebrandt/TUM).

02.02.2018,  Forschung                       Redaktion: Sabine Letz

Für tropische Wälder sind Rodungen für Ackerland und der Klimawandel die Hauptgefahren. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) verglichen Verluste durch Abholzung mit denen, die Klimawandel-Szenarien mit sich bringen würden. Obwohl die globale Erwärmung die Artenverteilung verändern dürfte, geht durch Rodungen mehr Trockenwald verloren als durch prognostizierte Klimawandelschäden.

Ein Großteil der Trockenwälder Ecuadors liegt im Südwesten des Landes, in der Region Tumbes-Chocó-Magdalena. Diese Wälder liefern nicht nur Holz- und Nichtholzprodukte, sondern Ökosystemleistungen, die den Wasserhaushalt regulieren und Böden vor Erosion schützen. Jedoch setzt dem Gebiet ein hoher Lebensraumverlust durch Abholzungen für mehr Acker- und Weideflächen zu. Dies verschärft negative Auswirkungen des Klimawandels wie etwa Temperaturanstiege.

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern vom Thünen-Institut und der ecuadorianischen Universidad Técnica Particular de Loja verglich ein Team der TUM die prognostizierten Flächenverluste von Baumarten, die einerseits durch die Entwaldung und andererseits durch prognostizierte Waldverluste bei einem extremen Klimawandel-Szenario entstünden.

„Wir haben 660 Datensätze zum Vorkommen von 17 charakteristischen Baumarten der Trockenwälder im Süden Ecuadors ausgewertet“, erklären die Erstautoren Carlos Manchego und Patrick Hildebrandt vom Lehrstuhl für Waldbau der TUM – „um beide Bedrohungspotentiale abzuschätzen, haben wir die prognostizierten jährlichen Raten der Verluste miteinander verglichen. Wichtig ist dabei allerdings, dass die Ergebnisse nicht übertragbar sind auf andere Baumarten in anderen Regionen.“

Die Verluste durch das Umwandeln im Zeitraum 2008 bis 2014 vor allem für Agrar- und Weideland lagen im Untersuchungsgebiet im Durchschnitt bei 71 Quadratkilometern pro Jahr bei allen Arten. Der prognostizierte Artenarealverlust im Klimawandel-Szenario lag indes lediglich bei 21 Quadratkilometern jährlich.

Empfehlungen für effektiveren Waldschutz und nachhaltige Landnutzung

„Ein nicht erwartetes Ergebnis waren die durch den Klimawandel bedingten unterschiedlichen Verdrängungsrichtungen der Baumarten. Während einige Arten nach Norden abwandern, finden andere Arten ihren künftigen Verbreitungsschwerpunkt eher in Richtung Süden. Daraus lässt sich ein Trend zur Durchmischung von Baumarten mit bisher unbekannten Effekten auf Funktionalität und Stabilität künftiger Waldgesellschaften ableiten", sagt Hildebrandt. „Zugleich beginnen die Rodungen in den höheren Lagen, weil es dort klimatisch einfacher ist etwas anzubauen wie etwa Mais."

Schutzmaßnahmen nach Schwachstellen priorisieren

Für eine effiziente Planung, die Umsetzung von Schutzmaßnahmen und eine nachhaltige Landnutzung sei es wichtig, die Maßnahmen nach solchen Bedrohungen und Schwachstellen zu priorisieren, sagt Hildebrandt. Es muss zwischen potenziellen Bedrohungen durch den Klimawandel oder durch die Entwaldung unterschieden werden. Mit der in „PLOS One“ erschienenen Studie „wollten wir einen wissenschaftlichen Bezugsrahmen zur Verfügung stellen, um das kleinere Übel zu identifizieren und gezielte Empfehlungen geben zu können.“

Jedoch unabhängig von der Erhaltungsstrategie erforderten diese Ziele sowohl die Beteiligung privater Landbesitzer als auch lokaler Gemeinschaften.

Publikation:
Carlos E. Manchego, Patrick Hildebrandt, Jorge Cueva, Carlos Ivan Espinosa, Bernd Stimm, Sven Guenter: Climate change versus deforestation: Implications for tree species distribution in the dry forests of southern Ecuador, PLOSone 12/2017. doi.org/10.1371/journal.pone.0190092

Kontakt:
Dr. Patrick Hildebrandt, PD Dr. Sven GünterTechnische Universität MünchenWissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und UmweltForschungsdepartment Ökologie und ÖkosystemmanagementLehrstuhl für WaldbauTel: +49 8161 714690E-Mail: hildebrandt@tum.d

 

 

„Auswirkungen einer Bewirtschaftungsaufgabe in Eichen-Buchen-Mischbeständen im Spessart auf die Eichenanteile und die Biodiversität“

Wissenschaftliche Expertise

zum Thema
„Auswirkungen einer Bewirtschaftungsaufgabe in Eichen-Buchen-Mischbeständen im Spessart auf die Eichenanteile und die Biodiversität“

im Auftrag des
Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

erstellt durch

Prof. Dr. Anton Fischer
Geobotanik, Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TUM
und
Prof. Dr. Dr. Reinhard Mosandl

Waldbau, Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TUM

Kurzfassung
Aufgabenstellung der Expertise war es, die Auswirkungen einer Ausweisung eines Nationalparks im Spessart auf die Biodiversität der ggf. unter Schutz zu stellenden Gebiete darzustellen.

Für die Einstufung als „Nationalpark“ (nach IUCN Kat. II) ist es zwingend erforderlich, dass kurzfristig auf mindestens 75% der Fläche freie Ökosystementwicklung zugelassen wird, mittelfristig auf 100%. Für die vorhandenen Waldbestände bedeutet das: sie werden sich auf den Weg hin zu derjenigen Vegetation machen, die unter diesen Klimabedingungen ohne Eingriff des Menschen am konkurrenzfähigsten ist. Das ist im Spessart ein Buchenwald-Ökosystem. Die Buche als Schattbaumart kann sich zwanglos unter Buche verjüngen, und das „heranwachsende“ Totholz der Buche wird einer großen Zahl an (Buchen-)Totholzarten (besonders Insekten, Pilze) Lebensraum bieten. Deutschland liegt im Zentrum der Buchenwälder Mitteleuropas und deshalb ist das Instrument „Nationalpark“ im Spessart zielführend angewendet, wenn es darum geht, ein für Mitteleuropa repräsentatives Buchenwaldökosystem einer freien Entwicklung zu überlassen.

Der Spessart ist aber auch wegen seiner über Jahrhunderte betriebenen Förderung der Eiche berühmt. Ohne diese Förderung hat die Eiche in Konkurrenz mit der Buche keine Überlebenschance; denn als Lichtbaumart kann sie sich nicht unter Buche verjüngen und ist der Konkurrenz der Buche ober- wie unterirdisch stets unterlegen. Das bedeutet: die heute vorhandenen Eichen werden nach Zulassen einer vom Menschen nicht gelenkten Ökosystementwicklung verschwinden. Es gibt zahlreiche Arten (Insekten, Pilze), die speziell an Eiche (und Eichentotholz) gebunden sind. Sie werden nach Ausweisung eines Nationalparks zunächst zunehmen; denn die vielen vorhandenen Eichen produzieren, wenn nicht länger genutzt und gepflegt, sofort und zunehmend Totholz – Eichentotholz, die Grundlage dieses speziellen Segments der Biodiversität. Eichen werden aber unter dem dichten Kronendach der Buche nicht mehr nachwachsen können; deshalb wird mittelfristig der Nachschub an Eichentotholz abnehmen und schließlich nahezu völlig versiegen. Die an Eiche und Eichentotholz gebundene Biodiversität wird dann (weitgehend) verschwinden. In diesem Fall ist das Schutzinstrument „Nationalpark“ nicht zielführend. Wenn es darum geht, die an Eiche gebundene Biodiversität langfristig zu erhalten, dann wäre z.B. das Instrument „Biosphärenreservat“ zielführend, das ein Management auf ein bestimmtes Schutzziel hin erlaubt bzw. sogar erfordert.

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